John Bowlby — Die Grundlage der Bindungstheorie
In den 1950er und 60er Jahren vertrat der britische Psychiater John Bowlby die These, dass Menschen biologisch dazu veranlagt sind, starke emotionale Bindungen zu Bezugspersonen aufzubauen. Er argumentierte, dass diese Bindungen eine evolutionäre Funktion erfüllen: Die Nähe zu schützenden Erwachsenen erhöht das Überleben von Säuglingen.
Bowlby führte das Konzept des inneren Arbeitsmodells ein — eine mentale Blaupause für Beziehungen, die in der Kindheit geformt wird. Wenn eine Bezugsperson konsequent einfühlsam und warmherzig reagiert, entwickelt das Kind ein "sicheres" Modell: "Ich bin der Liebe würdig und anderen kann man vertrauen." Reagiert die Bezugsperson inkonsistent oder ablehnend, bildet das Kind "unsichere" Modelle, die bis ins Erwachsenenalter nachwirken.
Sein dreibändiges Werk Bindung und Verlust (1969–1980) ist bis heute einer der einflussreichsten Beiträge zur Entwicklungspsychologie.